
Todeszonen - Wie unsere Meere ersticken
“Todeszone” ist vermutlich ein Wort, dass nur wenigen etwas sagt. Kurz erklärt sind Todeszonen Zonen im Meer, in denen kein Sauerstoff enthalten ist. Ursprünglich kommt der Begriff aus dem Englischen und wurde von “Dead Zones” übersetzt. Manche Forscher bevorzugen die “anoxischen Zonen”, mit denen Gewässer mit minimalen oder gar keinem Sauerstoff gemeint sind. Denn auch dort, wo nur minimal Sauerstoff vorhanden ist, sei das Meer nicht wirklich tot.
Eine Erklärung für die Entstehung von Todeszonen ist eigentlich einfach gefunden, doch dafür muss man erstmal wissen, wie Algen eigentlich sterben: Algen sterben langsam, verfaulen und fallen zu Boden. Am Meeresgrund werden sie von Bakterien zersetzt. Dieser Vorgang verbraucht Sauerstoff und die in den Algen gebundenen Nährstoffe werden wieder freigesetzt. Im Normalfall gleicht sich das aus, da andere Algen den für diesen Prozess gebrauchten Sauerstoff prodozieren. Doch wenn viele Algen gleichzeitig sterben, wird das zum Problem. Denn insgesamt wird mehr Sauerstoff verbraucht als produziert wird. Verständlich, oder? Und so entsteht eine Todeszone, in der kaum noch Leben möglich ist.
Viel zu oft gelangen Düngermittel von unseren Erntefeldern wie Phosphor durch Flüsse und Bäche ins Meer, wodurch dann viele Algen gleichzeitig wachsen. Erst ist das schön, schließlich wird mehr Sauerstoff produziert, doch wenn sie sterben, passiert genannter Prozess und die Todeszone wächst und wächst. Manchmal passiert es auch auf natürliche Weise, z.B. durch Algenblüten, die aber natürlich durch Düngermittel begünstigt werden.
Todeszonen äußern sich dann darin, dass zuerst Lebewesen am Meeresgrund wie Korallen, und später Fische und andere Lebewesen in den oberen Wasserregionen sterben. Leider wird einer Todeszone meist erst Aufmerksamkeit geschenkt, wenn die Fischindustrie aufschreit, weil ihr Fang schrumpft.


Von 2008 bis 2019 ist die Zahl der Zonen von circa 400 auf 700 gestiegen mit einer Gesamtfläche von circa 245.000 Quadratkilometern – fast ein Drittel mehr als 1995. Besonders betroffen sind dabei der Golf von Mexiko, das Südchinesisches Meer und auch unsere geliebte Ostsee. Und verbessern wird sich das Ganze nicht: Wissenschaftler und die UN schätzen, dass sich menschengemachte Todeszonen an den Küsten in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts sogar verdoppeln werden. Die steigende Temperatur in den Meeren hilft dabei keinesfalls. So fordern viele, zu denen auch wir gehören können, mehr Schutzgebiete einzurichten und die Überdüngung zu stoppen.
Eine kleine Information am Rande: Auch die Ostsee ist eine riesige Todeszone, die immer wieder als Negativbeispiel herangezogen wird. Doch wenn man es genau nimmt, liegt es dort eher an der geographischen Lage. Die Ostsee mischt sich wenig mit dem sauerstoffreichen und kühleren Wasser der Nordsee. Außerdem ist die Ostsee stark geschichtet. Über Flüsse fließt Wasser hinein. So bildet sich an der Oberfläche eine wärmere, salzarme, sauerstoffreiche Schicht, die von der unteren, kühleren, getrennt ist. Diese Grenze zwischen den beiden Wasserschichten ist für viele Stoffe, insbesondere Gasse wie Sauerstoff, nahezu undurchlässig. Feste Partikel sinken mit Leichtigkeit ins Tiefwasser ab, wo z.B. Algen zersetzt werden. Das führt dazu, dass die untere Wasserschicht schlecht “belüftet” wird.
