
Überfischung. Ein Wort, das uns sicher schon mehr als einmal begegnet ist, und trotzdem ignoriert man dieses wichtige Thema im Alltag und der Fischerei genauso, wie all die anderen Umweltthemen, die vermutlich zu unserem Untergang führen werden. Seit Jahren sinkt die Anzahl der Fische in den Meeren. Immer weniger schwimmen in den Flüssen an unseren Ufern vorbei oder füllen das Weltnaturerbe des Great Barrier Reefs vor der Küste Australiens. Stattdessen landen sie auf unseren Tellern, um unseren Hunger zu stillen. Ja, das Meer ist eine gesunde Nahrungsquelle für uns Menschen, doch in dem Ausmaß und vor allem in küstennahen Regionen geht dies eindeutig zu weit für die Fische. Sie können sich von unserem Überkonsum nicht mehr erholen.

Für die massenhafte Fischerei werden oft Schleppnetze benutzt. In diese riesigen Netze mit der Größe von vier Fußballfeldern, die den Meeresboden schon beim Ziehen zerstören, passen insgesamt 500 Tonnen Fisch. Doch davon sind 80-90% Beifang. Beifang ist ein Begriff, der für den ungewollten gefangenen Fisch steht. Dieser wird tot oder sterbend ins Meer zurückgeworfen. Als kleines Beispiel: Für ein Kilo gefangene Shrimps sterben bis zu 20 Kg willkürlicher Fisch und Wal. Zum Glück werden immer öfter Methoden eingesetzt, um den Beifang, vor allem von Delfinen und Walen, zu verringern.
Um die Meere und seine Fische zu entlasten, gibt es sogenannte Aquakulturen, in denen bestimmte Sorten Fisch gezüchtet werden. Doch diese sind eher Fischgrabstätten. Die Fische werden meist mit anderem Fisch gefüttert. So werden aus fünf Kilogramm wildgefangenem Fisch (klein) ein Kilogramm Lachs (groß). Ist das wirklich besser als frei im Meer zu fischen?
Trotz vieler Lösungsmöglichkeiten wird nicht genug getan. 2008 wurden für den Blauflossenthunfisch Fangquoten aufgestellt. Wissenschaftler empfahlen eine Fangmenge von 10.000 Tonnen. Die EU jedoch beschloss ein Fangvolumen von 29.500 Tonnen. Letztendlich fischte man 61.000 Tonnen Blauflossenthunfisch. Es wurde also sechs Mal so viel gefischt, wie vernünftig wäre. Anstatt anzuerkennen, wie wichtig die Ozeane für das Überleben der Menschen sind, plündern wir sie und ersticken die Meere mit Müll und Gift. Mittlerweile sind 85 Prozent der Fischbestände überfischt oder kurz davor.
Einige Dinge haben wir vielleicht gut gemacht. Ab dem 19. Jahrhundert wurden Blauwale, da man die spezielle Technik dafür entwickelte, übermäßig viel gefischt. Bis 1920 wurden bereits 350.000 Blauwale gefischt, so waren es damals nur noch 220.000 Tiere. 40 Jahre später lebten in den Meeren nur noch 1000-3000 Blauwale. Als endlich 1972 Schutzbestimmungen in Kraft traten, erholte sich der Bestand bis heute auf circa 10.000 bis 20.000 Tiere. Man sieht also, es lässt sich durchaus etwas ändern.
Natürlich kann jeder von uns etwas gegen die Überfischung tun. Selbst sich diesen Artikel durchzulesen und sich so zu informieren und ein Bewusstsein zu schaffen, hilft. Man kann auf Siegel achten und bedrohte Fischarten meiden. Ganz populär ist das MSC-Siegel, dass eine nachhaltige zertifizierte Fischerei in freien Gewässern beschreibt. Das ASC-Sigel zertifiziert die Fischerei in Aquakulturen.
Fragt doch einfach mal an der Fischtheke oder dem Restaurant, woher der Fisch kommt, wo er gefangen wurde, ob alles nachhaltig ist. Zeigt als Konsument echtes Interesse. Die Marktanfrage ist ein wirkungsvoller Hebel. Man kann Fischgerichte auch wie früher als reinste Delikatesse begreifen und ihn schätzen. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, auf Meeresgerichte vollständig oder zum Teil zu verzichten.
Nina Schnell